13.07.2018 – Früher Abend – Deutschland – Sonnig – Zeit abzuspringen

Juli 27, 2018 Aus Von Justus Zeemann

Vor ein paar Tagen habe ich meinen ersten Fallschirmsprung gemacht. Es war ein Geschenk von Freunden zu meinem 30. Geburtstag – und wahnsinnigerweise spendierten Sie mir zusätzlich ein Video davon. Dieses findet ihr am Ende des Artikels.
Nochmals vielen Dank für diese tolle Erfahrung!

„Fallschirmspringen? Wirklich? Bist du verrückt?“
„Hast du keine Angst“?
„Was wäre wenn…?“.
Das sind die normalen Kommentare, die ich von Leuten bekommen habe, denen ich vorab vom Sprung erzählt habe.
Und meine Antwort auf all das war „Nein, ich bin geil auf die Erfahrung. Es muss fantastisch sein. Stell dir vor, du springst aus einem Flugzeug und… „ da wurde ich dann meistens schon wieder unterbrochen…

Aber warum hatte ich keine Angst? Warum habe ich scheinbar nicht darüber nachgedacht, was passiert, wenn sich der Fallschirm nicht öffnet – und wenn der Zweitschirm es ebenfalls nicht tut? Oder wenn die Leinen nicht korrekt gelegt sind? Oder gar reißen? Oder wenn ich mir beim Landen etwas breche? Etc. …
Ich kann es dir nicht mit Sicherheit sagen, aber ich denke, es hängt damit zusammen, wie ich mich in den letzten Jahren meines Lebens selbst beeinflusst habe.
Wenn etwas ernsthaftes in meinem Leben auftaucht, denke ich über den schlimmsten– und den besten Fall nach.
In Sachen Fallschirmspringen ist es leicht (und extrem):

Worst Case bedeutet, dass ich sterbe. Das war’s für mich. Kurze Geschichte.
Klingt erstmal ganz cool, aber natürlich weiß ich, dass es für niemanden lustig ist. Ich bin ja nicht emotional tot oder total abgestumpft, aber ich könnte es auch einfach nicht ändern – harte Tatsache.
Noch schlimmer wäre es wohl, wenn wir beim Abstürzen jemanden unbeteiligten treffen. Oder, oder – du kannst ja einfach mal deinen eigenen “Worst Case“ damit durchspielen.

Der beste Fall wäre, was mir dann auch tatsächlich passiert ist, aber was ich mir vorher nicht vorstellen konnte:
Du triffst eine erstaunliche Gruppe von Leuten, alle verrückt genug, um zusammen aus einem Flugzeug zu springen. Dann hast du einen guten Flug aufwärts zum Himmel, mit sonnigem Wetter und lächelnden Gesichtern um dich herum (vielleicht nicht alle Erstspringer, aber mindestens das Team). Du machst einen Salto aus einem Flugzeug, hast genug freien Fall, um die Kräfte an deinem Körper zu genießen, fühlst die Luft strömen, schreist und genießt. Dabei wartest du auf die Öffnung des Fallschirms.
Wenn das passiert, verwandelt sich alles in etwas noch Besseres (zumindest für mich). Der Flug wird massiv langsamer, das Rauschen des Windes wird viel leiser, du erkennst die Landschaft und fliegst sogar durch eine kleine Wolke. Dann gibt dir dein Tandempilot die Griffe und du steuerst einen Fallschirm durch die Luft. In ~ 1.500 Meter Höhe.
DU HAST DIE KONTROLLE!
Dann, wenn er das Steuern wieder übernimmt, stoppt er den Fallschirm nahezu und du hörst absolut nichts, du fühlst keinen Wind mehr. Du bist einfach da, mitten in der Luft, im Geschirr hängend und genießt ein unglaubliches Gefühl. Ich kann das nicht für dich in Worte fassen – du musst es selber fühlen.
Danach beschleunigt er wieder und macht eine Wendung, damit du eine Vorstellung davon bekommst, welche Kräfte möglich sind.
Schließlich geht es runter zur Landung, wie besprochen hebst du deine Beine und gleitest sanft ins Gras. Umgeben von anderen Menschen, die gerade die gleiche Erfahrung gemacht haben.
Und dann fragst du „Nochmal?“ – und seine Antwort lautet: „Wenn du willst, können wir wieder hoch gehen“. Und du tust es!

Wie du lesen kannst, bin ich sehr angefixt – und wenn ich im Moment nicht die Welt bereisen würde, hätte ich schon angefangen, meine Lizenz zu machen. Aber ich habe noch ein paar Dinge, die ich ausprobieren möchte, und danach werde ich wissen, welcher Extrem Sport – neben dem Wing Chun – der passende für mich sein wird.

Wenn du mehr zum Thema Angst – auch am Beispiel des Fallschirmsprunges – erfahren möchtest, empfehle ich dir zum Beispiel dieses Video von Will Smith:
Will Smith über Angst (6:00 Minuten)

Und hier findest du eine Kurzversion meines Fallschirmsprunges.
Vielen Dank an alle meine Freunde für dieses Geschenk und das Team von Skydive Hildesheim für einen tollen Job. Danke auch an Alex, alias „Teufel“, dass er mich zweimal an seinem Fallschirm mit in die Luft genommen hat. Ich weiß, dass du das hier liest und, dass wir uns wiedersehen!

Video vom Fallschirmsprung