Feldzugsgedächtnisprotokoll von Hubertus Fragteria

August 24, 2018 0 Von Justus Zeemann

(Dies ist ein In-Time Bericht über das Conquest of Mythodea 2018. Gegebenenfalls solltest du diesen Off-Time Bericht )vorher lesen: Mythodea 2018)

Reisebericht über den Feldzug des Conquest of Mythodea von Hubertus Fragteria

Nach meiner turbulenten Rückreise in die heimischen Gefilde möchte ich nun aus meinem Gedächtnis doch noch eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse des Feldzuges niederschreiben.
Es ergeben sich bereits Lücken, aber ich verspreche mir von dieser Notiz in späteren Zeiten einen Gewinn – auch wenn dieser nur durch die Weitergabe jemand anderem zuteilwerden wird.

Vorab zum Grund dieser wagemutigen Reise, damit der Wahnwitz auch später nachzuvollziehen sei:
Vater meinte, dass ich ihm zwar mit der Schrift und den Zahlen gute Dienste zu leisten vermag, und auch, dass mein Training am Schwert gut vorangegangen sei, aber dass es doch eindeutige Wissenslücken gäbe.
Als ich frage, welche das seien, entgegnete er nur in seiner gewohnt trockenen Art, dass genau das mein Problem sei: Wissensmangel! Ich wisse nicht, woran es mir mangele und deshalb solle ich doch bitte mehr über das Sammeln von Wissen und den Austausch von Informationen erfahren. Ohne ausreichendes Wissen werde es dem Unternehmen, wenn er mal nicht mehr da sei,  ja wohl nicht so gut ergehen…
Leichter gesagt als getan machte ich mich als auf die Suche nach Experten in der Beschaffung von Wissen und Informationen. Als ich Vater wenig später berichtete, dass es durch unsere Kontakte in das Ostreich die Möglichkeit gäbe, von einem Konsul zu lernen, war er freilich begeistert. Diese Wissensträger seien schlau, allseits gut informiert und immer am aktuellen Geschehen. Dass es sich dabei um einen Feldzug handelte, war ihm einerlei. Vielmehr erwähnte er beiläufig, dass es bei jenem Militär viel über Personalführung und Motivation zu lernen gäbe und loyale Männer bräuchte ja auch jeder Unternehmer.
Und eigentlich hatte er ja auch recht…

Und ja, zu lernen gab es reichlich.
Kurz nach meiner Ankunft lernte ich einen Voigt aus Thornheim kennen. Dieser Ort schafft es, einen gar vorzüglichen Met herzustellen. Mit der Werbekampagne „Thornheimer Met – Der Grund warum ihr drei Türme seht“ hatte sich das Produkt direkt bei mir verfestigt. Fabulöse Werbung ist immer gut und ich habe Vater bereits davon berichtet. Er wird schlauerweise einen Kontakt herstellen und eine Handelsbeziehung für den Met aufbauen. Auch andere Güter der Thornheimer könnten für uns von Bedeutung sein.

Natürlich ging es nicht um das Verköstigen von köstlichem Met, sondern um den Erhalt von Informationen, und somit trat die beeindruckendete Erscheinung von Karl Ticiano, meinem Konsul, recht zügig auf den Plan.
Ein sanftes Gemüt, welches jedoch stets bemüht ist, sein Gesicht zu wahren. Ob dieses das Wahre ist, und mit wem er Dank seines gigantischen Informationsschatzes Packte schmiedete, war für mich nicht immer durchsichtig. Er kennt sehr viele Menschen und Wesen aus verschiedenen Landen und Regionen. Demzufolge zeigte er mir viele verschiedene Wege, an Informationen zu kommen. Auch die Weitergabe dieser an richtige Personen zur rechten Zeit und in der angemessenen Menge konnte ich von ihm erlernen. Somit begab es sich, dass ich es schließlich mit Zwergen, Elfen, Menschen, Protokollerscheinungen, Magiern und sogar mit ‚nicht zu beschreibenden Wesen‘ zu tun hatte.
Er stellte mich auch der Hauptinformantin vor, welche mich kurzerhand zu einem Boten machte und mit wichtigen Informationen von A nach B schickte. Die Fülle der Reisenden, Siedler und Krieger machte das Verteilen der Informationen nicht immer einfach, und mehr als einmal war ich zu langsam. Daraus nehme ich mit, dass bei einem solch umfangreichen Feldzug andere Strukturen als in unseren Unternehmen von Nöten sind. Sollte es das Unternehmen zulassen, sollte ich dies weiter ergründen.

Andere Strukturen fand ich auch beim Militär vor. Beginnend mit einer Wache in den frühen Stunden des ersten Tages war mir die Verbindung in diese Kreise glücklicherweise bereits anfänglich zugänglich.
Einer der Herzoge war mir sehr gefällig und hat scheinbar seinen Gefallen an meinen Informationen gefunden. Somit war es mir gestattet, mit seinen Mannen auf das Schlachtfeld zu ziehen.
Was mich hier erwartete, verschreckte und begeisterte mich zugleich. Es war doch tatsächlich eine Gemeinschaft von Orks vor Ort, welche sich nicht wie wilde Tiere verhielt. Anstatt ihrem Trieb freien Lauf zu lassen, konnten sie auch im Angesicht des furchterregenden Feindes eine Struktur aufrechterhalten und sich gegenseitig unterstützen. Beeindruckend. Für ein Gespräch fehlte mir dann aber doch der Mut.
Ganz anders bei den menschlichen Truppen. Hier lernte ich auch schon viel durch die pure Macht der Beobachtung. Nur wer seine Soldaten bereits vor der Schlacht ausreichend motiviert und ihre Loyalität pflegt, ist in der Lage, während der Schlacht auf ihr volles Vertrauen und ihren Gehorsam zu zählen. Bedacht führte das Ostreich seine Soldaten in die Schlacht. Sehr koordiniert, beständig und stets mit einem Auge auf das Risiko und die Verluste. Es war jedoch oft auch einer der ersten Truppenverbände, welcher sich zurückzog. Die vielen Jahre des stärksten Heeres mögen ihnen dort Recht geben. Ich dagegen wollte mehr Informationen und war keinen Herren verbunden. Also verblieb ich oft länger auf dem Schlachtfeld und lernte.

So traf ich einen Soldaten mit einem gigantischen Hammer. Ich versuchte, den Soldaten im Kampf gegen einen Golem zur Unterstützung zu motivieren. Seine Kampfeslust und sein Antrieb glühten in seinen Augen, als er den Golem erblickte. Er konnte den Hammer kaum stillhalten.
Wider Erwahrten sagte er jedoch, dass er ohne den Befehl seines Kommandanten nicht gegen den Golem streiten werde.
Sein Kommandant war von dem Gedanken, dass einer seiner Krieger einen Golem besiegen könnte, sehr angetan; denn: wenn dieser überlebte und stolz zu seinen Truppen zurückkehrte, wären die anderen Krieger durchaus stärker motiviert als vorher. Raffinierter Kommandant, denn er sendete direkt noch einen Bogenschützen mit. Er sollte die Heldentat bezeugen. Die Dankbarkeit in den Augen des Soldaten, gegen den Golem ziehen zu dürfen, werde ich nicht vergessen. Der Golem wurde natürlich auch von ihm und weiteren Streitern bezwungen. Gut, dass ich mittlerweile gelernt hatte, wie richtige Informationen an den rechten Stellen wirken konnten. Eine nützliche Lektion, immer das Wohl des anderen an die erste Stelle zu stellen, um die eigenen Interessen wirken zu können.

Die einzige Sache, die sich bei einigen Soldaten gegen die Loyalität stellte, war der Glaube. Die Furcht, den falschen Menschen, das falsche Wesen, das falsche Element oder den falschen Gott anzubeten, ist sehr groß. Hier muss ich wohl meinem Ursprung danken und mich über meine Prinzipien freuen. Ein wichtiger Punkt für unsere Mitarbeiter. Die Heerführer sollten hier vielleicht etwas aus unserer Wirtschaft lernen und andere Prinzipien einführen. Mir fehlt jedoch noch der Blick über das große Ganze, um dies zu beurteilen.
Auf den Schlachtfeldern gab es aber noch etwas anderes, das mich sehr berührte, so sehr, dass ich es selber erfahren wollte.

Die Wasserträger.

Während ich in den Reihen des Ostreiches stand, dem Feind harrte und die Führungsqualitäten beobachte, kamen immer wieder Menschen mit Krügen und Bechern daher. Viele Soldaten waren für die Erfrischungen sehr dankbar und betitelten diese Menschen nicht unerheblich oft als „wahre Helden der Schlachtfelder“.
So nutze ich die nächste Gelegenheit, die Wasserstruktur des Ostreiches zu durchleuchten. Ich war sogar in der Lage, mit einem einfachen Wagen die Vorräte des Lagers zu füllen und somit die Zugangswege und Quellen der Wasserträger in Erfahrung zu bringen. Mit diesem Wissen und einem kleinen Bonus, einer erfrischenden, gelben Frucht, gelangte ich bei der nächsten Schlacht in den Zugriff eines Kruges. Mit diesem Krug und einem einfachen Becher schänkte ich also Wasser an die Soldaten aus. Für viele nachvollziehbar undenkbar. Wie konnte ich mich zu so einer solch niederen Aufgabe herablassen? Vielleicht macht genau dies den Unterschied zwischen unserem und anderen Unternehmen. Die Erfahrungen, die ich dabei sammelte – weit über die Soldaten des Ostreiches hinaus – kann ich in einem normalen Geschäft nicht erlangen.

Über die weiblichen Teilnehmerinnen des Feldzuges möchte ich aus Anstand in diesem Schreiben Zurückhaltung üben. Es sei jedoch aufgeführt, dass es in vielen Bereichen, die überwiegend nichts mit dem Militär, aber nicht nur,  zu tun haben, starke weibliche Persönlichkeiten gibt, welchen ich durchaus einen Respekt zolle.  Damit meine ich nicht nur Sängerinnen mit engelsgleichen Stimmen.

Abschließend bleibt mir nur noch das phänomenale, abendliche Zusammentreffen am letzten Tage des Feldzuges zu erwähnen. Bei dieser Zusammenkunft konnte ich neben anregenden Gesprächen, unter anderem mit Hubertus dem Händler, sowie Noravelle, der Kommandantin von Karl, auch die Regentin selbst kennen lernen. Bis zur frühen Stunde und dem ersten Licht des Tages verbrachten wir die Zeit mit den hohen Persönlichkeiten, welche sich sogar mit einem einfachen Soldaten umgaben um ihm zu erklären, wie das Ostreich funktioniert und das jedes Leben zählt.
Wie bereits erwähnt – die Loyalität und Motivation baut sich vor dem Aufruf zur Schlacht auf.

Notiz: Sollten wir erneut die Möglichkeit haben dem Feldzug beizuwohnen, sollte Vater sich vielleicht ebenfalls mit auf den Weg machen. Im Tross gab es so viele Handelsmöglichkeiten, dass ich sicher bin, er kann neben Thornheim weitere, wichtige Verbindungen aufbauen.

Weitere Infos:
Was kost der Spaß?
Wo schläft man?
Was gibt es zu futtern?
Diese Infos findest du im OT-Bericht zum Conquest of Mythodea!